L2C Circler – die Onlineversion

Linear 2 Circular (Kreislaufwirtschaft): Die Idee

Die Internetversion des Planspieles L2C Circler (Linear 2 Circular) haben wir am gestrigen Abend via Zoom-Videokonferenz probiert. An dieser Stelle sei den vier Mitspielern, Gerd Salwey + Dr. Roland Ruppel + Hermann Jost + Johannes Vorholt nochmals herzlich gedankt, dass sie dabei waren. Die Moderatorenrolle nahm Peter Käpernick ein.

Unser fiktives Unternehmen, die TBF GmbH, produziert mit 20 Mitarbeitern – quasi als Montagebetrieb – Hygienelüfter für Krankenhäuser. Der Umsatz beträgt 5 Mio Euro. Die Aufgabenstellung an das Führungskräfteteam (Mitspieler) war eine Antwort auf die Frage: „Was kann die TBF GmbH tun, um kreislauffähiger und damit auch zukunftsfähiger zu werden?“ Letztlich geht es darum, wie können die jetzigen Hygienelüfter so konzipiert werden, damit deren technische Bestandteile kontinuierlich und damit auch länger im Markt gehalten werden können (siehe hierzu auch das „Cradle-to-Cradle“ Prinzip bei dem von biologischen und von technischen Nährstoffen gesprochen wird).

Die Mitspieler werden „unvorbereitet“ mit dieser Aufgabe betraut. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, wird der Planspielansatz und zum Thema vorbereitete Spielkarten als Einstieg benutzt. Die 32 Karten werden über einen Zufallsgenerator aufgerufen und auf den „Zoom“ Schreibtisch gelegt. Ebenfalls auf dem Schreibtisch und für alle sichtbar, liegt ein Spielfeld. Das zeigt 5 Handlungsfelder: Wege/Geschäftsoptionen. Maßnahmen. Organisationale Fähigkeiten. Persönliche Kompetenzen und das Feld Produkt/Leistung.

Die gezogenen Karten werden diskutiert und später mit einer Punktebewertung priorisiert. Das Spiel muss mindestens solange vorangehen, bis auf jedem Handlungsfeld zwei Karten liegen (..was uns nicht ganz gelang!). Aus diesen Stichworten und nach einer mehr oder minder tiefgreifenden Diskussion wird das Team dann in Form eines kurzen Konzeptes die Geschichte der Weiterentwicklung der Firma formulieren und vortragen. Letztlich fasst der Spielleiter (die fünfte Person am Tisch) die wichtigen Punkte (schriftlich) zusammen.

Das ergibt sich aus der nachfolgenden Unterhaltung: Später werden diese Kurzkonzepte von einem Gremium bezüglich der Ideen und deren Umsetzbarkeit bewertet. Aus der puren Anzahl der vorliegenden Ideen kann am Schluss einer Zeiteinheit (z.B. 3 Monate) eine Gesamtidee abgeleitet werden, mit der ein solches Unternehmen seine Zukunft im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ausbauen und gestalten könnte. Aus den Einzelideen könnte ein Gewinnerteam ermittelt werden. Damit wäre eine Wettbewerbssituation möglich, die für Mitspieler einen attraktiven Grund für eine Teilnahme darstellen könnte.

Das Zusammenspiel der Teilnehmer: Details und Verlauf

Die Teilnehmer bekommen es über die per Zufall gezogenen Karten mit folgenden Themen zu tun:
1. Lebenszyklus verlängern (26) grau: Menge=Gewinn, negative Folgen? Wertung: 25 Punkte
2. Materialdatenbank (16) rot: Wo finden wir die Q-Daten? Wertung: 14 Punkte
3. Zirkulare Netzwerke (23) ocker: Partner, Faktor für den Gewinn? Wertung: 26 Punkte
4. Umsetzungsstärke (2) gelb: Wirksamkeit vs Widerstand? Wertung: 25 Punkte
5. Innovationsfreude (1) gelb: Unterschied Zukunft/Vergangenheitsfokus? Wertung: 34 Punkte
6. Ressourcen (29) blau/grün: Welche in 10 Jahren? Wertung: 26 Punkte

Da wir an einigen Stellen zu großzügig mit der Zeit umgegangen sind, haben wir das Ziel: 2 Karten pro Handlungsfeld, lediglich im gelben Feld erreicht. Straffung ist also nötig, weil zwei Karten eine Auswahl bedeuten würden. Die höchste Punktzahl erhielt die Innovationsfreude – offensichtlich für das zukünftige Überleben ein Prio 1 Punkt.

Das Konzept: Als Erzählung

Das Führungskräfteteam hat die Idee, eine größere Kick-off Veranstaltung zum Thema „Von L2C – Aufbruch Zukunft“ zu initiieren. Anlass ist ein Beschluss, aus der GmbH eine AG zu formen. Dazu wird gemeinsam mit allen Mitarbeitern ein Plan für die Zukunft erarbeitet, dessen Kernaussage „mehr Engagement für die Kreislaufwirtschaft“ ein komplettes „Neudenken“ der aktuellen Produktlinie inklusive Fragen zur Fertigung beinhaltet. Ein geringer CO2 Fussabdruck wird angestrebt.

Ziel wird es sein, ein modulares Produkt zu entwickeln, das aus wesentlich weniger Teilen bestehen soll als die aktuelle Produkt-Reihe. Auf gute Demontagemöglichkeit soll geachtet werden. Zusätzlich sollen neue Filter eingebaut werden, die automatisch anzeigen, ob und zu welchem Grad eine Verunreinigung z.B. durch Viren (oder Feinstaub) stattgefunden hat. Ein ferngesteuertes Alarmsystem soll insbesondere den Krankenhausbetreibern helfen, gefährliche Ansammlungen von Schadstoffen früher zu erkennen. Ein automatisches Reinigungssystem soll sofort die gröbsten Konzentrationen abbauen helfen.

Alte Modelle können von den Nutzern zurückgegeben werden. Diese werden dann aufbereitet und entweder überholt und wieder eingesetzt oder es werden zumindest die noch brauchbaren Teile wieder verwendet. Eine geeignete Rückführungslogistik muss „erfunden“ und eingerichtet werden. Dazu wird es die Kooperation aller Vor- und Nachgelagerten Partner brauchen.

Bei der Karte „zirkulare Netzwerke“ kamen die Themen „neue Märkte“ (PKW, Feinstaub) und ein „neues Vertriebssystem“ zur Sprache: Beispielsweise die Einrichtung einer Plattform inklusive der Möglichkeit, die Hygienelüfter auch als „Leihsystem“ zu nutzen und lediglich die Betriebsstunden abzurechnen.

Eine bessere Produktivität durch andere Fertigungsstrassen könnte Produktionsmitarbeiter freistellen, die man dann für das Aufbereiten der alten Anlagenteile einsetzen könnte. Das hätte für die Mitarbeiter zur Folge, dass sie keine Ängste um ihre Arbeitsplätze entwickeln müssten.

Abendveranstaltung: SF-F, Peter Käpernick, Emmendingen, den 27. August 2020